Pubertät des Hundes

Pubertät – (k)eine Zeit des Verzweifelns

 

Wann beginnt die Pubertät beim Hund. Etwa wie beim Menschen zwischen dem 12. bis 14. Lebensjahr? Nein, sie startet viel früher, zwischen dem siebten und zehnten Monat und ein sicheres Indiz ist es, wenn man sich fragt, warum man sich bloß einen Hund angeschafft hat und man sich die Frage stellt, ob man vom Hundeclub die Beiträge zurückverlangen kann.


Man hat das Gefühl, dass alles, was man ihm beigebracht, hat durch ein Sieb gefallen ist, oder der Hund das Erlernte in den Abfluss gespült hat. „ Sitz!“ Nie gehört! „Platz!“ Null Bock! „Hier!“ Wieso? Wer sind eigentlich die Menschen, die da reden? Der Hund scheint alles bisher Erlernte vergessen zu haben. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren oder den Hund aus reiner Verzweiflung verschenken. Alles wird wieder gut, also Schleppleine wieder dran und den Jungspund daran hindern, dass er seinen Freiheitsdrang zu wörtlich nimmt und das Kommando „hier“ komplett aus seinem Wortschatz streicht.

Was ist weiter zu tun? Vielleicht eine Hundeschule besuchen? Neue Schule neues Glück! Was habe ich dort gelernt? Ach ja, der „Alphawurf“ soll helfen. Also Hund auf den Rücken knallen und mindestens eine Minute festhalten. Das soll helfen? Mein Hund wehrt sich mit Leibeskräften, sogar heftiger als mit dem „Nackenschüttler“. Und was habe ich gerade in einer Natursendung im Fernsehen gelernt? Tiere sehen das Nackenschütteln als Morddrohung an. Aber ich will meinen Hund doch gar nicht umbringen!

Was habe ich noch gelernt? Hunde gehen immer nach dem Menschen durch die Tür und fressen auch erst, wenn der Menschen gespeist hat. Nun muss ich zu meiner Schande gestehen, dass meine vorigen Hunde immer ziemlich pünktlich ihr Fressen bekommen haben und ich nach Bedarf, Hunger und Zeit gegessen habe, außerdem habe ich wenig Lust aus „Rangordnungsgründen“ vielleicht noch im Halbschlaf und mit einem Bademantel bekleidet in den Garten zu gehen Ein schrecklicher Gedanke und ziemlich kalter dazu, besonders im Winter und bei Schnee. Und wie, bitte schön, finde ich immer jemanden, der den Hund hält, wenn ich in das Auto steige, denn für ein Hund ist Tür gleich Tür. Wenn ich so in die Vergangenheit zurückblicke, hatte ich mit den Vorgängern meiner pubertierenden Kampfmaschine keine Probleme in Bezug auf Gehorsam.

Nächste Regel: Hunde dürfen nicht oben liegen und sie gehören bloß nicht auf den Schoss. Man züchtet sich einen Tyrannen, wie er im Buche steht. Wie soll ich meinen Hund vom Sofa bekommen und ihm erklären, dass Schmusen von nun an tabu ist.

Okay, die Hundeschule wird es wohl wissen, also durchhalten und alle Regeln befolgen. Aber, was ist nun passiert? Mein Hund himmelt den tollen Boss, das bin ich, überhaupt nicht mehr an, sondern zeigt ein starkes Meideverhalten und hat das aufgebaute Vertrauen zu mir wieder abgerissen, wie ein abbruchreifes Haus.

Läuft hier wirklich alles richtig? Die Vorgänger meines Hundes standen alle gut im Gehorsam und haben mir blind vertraut. Was habe ich anders gemacht?

Der Begriff Alphawurf und Nackenschüttler gab es in deren Vokabular nicht.
Die Hunde haben meistens vor mir gegessen und trotzdem konnte ich bei allen das Futter wegnehmen ohne das ein Knurren erfolgte, warum sollten sie dies auch tun. Ich war die Futterquelle, habe für das Wohlbefinden und die Gesundheit gesorgt. Aber warum sollte ich ihnen auch das Futter wegnehmen, das ich ihnen gerade erst gegeben hatte? Wo ist der Boss, der genau weiß, was er tut, wenn er nicht einmal weiß, wann es was zu essen gibt.


Meine Hunde sind in 90% aller Fälle zuerst aus der Tür gegangen. Warum sollen sie nicht in den Garten stürmen, wenn der Drang auf die Blase allzu groß ist oder nur aus purer Lebensfreunde. Sollte Gefahr bestehen, z.B. die Autotür geht auf und ein heranfahrendes Auto naht, dann treten die 10 % in Kraft und ich bestimme, wenn der Hund das Auto verlässt. Sie lagen zeitweise auf dem Sofa und auf meinem Schoss. Kuscheln kann auch für ein Tier sehr angenehm sein.

Was war, wenn Leute zu Besuch kamen und ich ihre Plätze benötigte? Hundedecken weg und eine klare Anweisung, dass heute der Hund unten liegen bleibt. Ihr werdet es nicht glauben, aber kein Hund hat sich wie ein Tyrann oder Alphahund benommen oder sogar das Sofa verteidigt, was natürlich ein absolutes „no go“ ist. Aber hat ein solches Verhalten mit „Dominanz“ zu tun? Wohl eher nicht, sondern mit einer Schieflage der Verhältnisse zwischen Mensch und Hund. Hier stimmt dann die Beziehung nicht oder die Kommandos kommen nicht klar und deutlich rüber, sondern eher verschwommen, wie z.B. gehst du vielleicht von Sofa, oder lässt du dies sein, wenn du der gleichen Meinung bis wie ich.


Eines habe ich gelernt: Die besagte Hundeschule ist keinen Pfifferling wert! Ich lasse alles beim Alten in meiner Art die Hunde zu erziehen. Hat in der Vergangenheit geklappt und wird auch in der Zukunft funktionieren. Ich bleibe der Chef, weil ich souverän bin, cool und kein HB-Männchen. Ich gebe den Hunden klare und deutliche Anweisungen, sorge für ihr Wohlbefinden, vergesse dabei aber auch nicht ihre Bedürfnisse. Hunde sind Individuen mit einer empfindlichen Seele, die man so zu behandeln hat, wie man selber behandelt werden möchte.

Warum bin ich also zu dieser Hundeschule gegangen? Ich habe im Laufe der Zeit wohl völlig aus den Augen verloren, wie die Pubertät der Vorgänger verlaufen ist oder nimmt man mit zunehmenden Alter diese schwierige Zeit viel schwerer?


Eine frei nacherzählte Geschichte, wie sie jederzeit in Deutschland, Europa oder irgendwo auf der ganzen Welt passiert ist oder noch passieren wird.

Autor Annette Dominiak

Copyright Hundeschule 4 our way Dominiak GbR

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